Puzzle of Life.

Sonntag, 6. März 2011



Wir stellen uns das Leben doch irgendwie alle ein bisschen wie ein Puzzle vor. Man selbst ist das große Teil in der Mitte, man hat ein paar Randteile, aber die meisten Puzzleteile, die hat der Staubsauger gefressen. Zum Beispiel die Teile, die einem erklären, wie das eigentlich funktioniert, das mit dem Leben. Die Teile, die den Weg weisen oder die richtige Lippenstiftfarbe zu deinem Hauttyp preisgeben. Die Teile, die allem einen Sinn geben und dir erklären, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen. Man steht vor seinem Lebenspuzzle und wünscht sich so bitterlich, alles möge zusammenpassen, dass man selbst die Teile, die perfekt zusammenpassen, die bereits vorhandenen, immer wieder auseinander nimmt und mit anderen Teilen, die ganz eindeutig nicht passen, zusammenzupressen versucht. Weil man das Zusammenpassen erzwingen will.
Doch im Leben scheint nichts zusammen zu passen. Das glückliche Lächeln am Morgen, wenn die Haustür hinter einem zuschlägt, und die tonnenschwere Last, die abends auf den Schultern ruht. Die schwangere Teenagerin mit der pinken Jogginghose an der Supermarktkasse, deren Perspektiven wohl irgendwo zwischen Hauptschulalltag und Saufgelagen immer weiter schwanden – vielleicht heißt sie Jacqueline. Der Wunsch zu fliegen und die Tatsache, dass man oft einfach nur fällt, ins Bodenlose. Das Winterwetter im Lieblingsmonat März. Der leere Kühlschrank, wenn man gerade vor Hunger stirbt. Nicht einmal die eigenen Charaktereigenschaften machen Sinn, weil sie so gegensätzlich sind, dass die eine Seite die andere Seite nicht ausstehen kann.

Ich hätte gerne ein Puzzleteil, das alles erklärt, das alles zusammenfügt und aus dem Durcheinander ein Ganzes macht. Aber ich stehe erst am Anfang meiner Reise. Ein komplettiertes Puzzle würde meine noch verbleibenden sechzig oder siebzig Lebensjahre wertlos machen, denn: Wenn das Puzzle komplett wäre, dann hätten wir keinen Antrieb mehr, unser Leben in die Hand zu nehmen. Vielleicht wird das Puzzle nie komplett sein oder erst in dem Moment, in dem wir unseren letzten Atemzug tun und die Augen für immer schließen. Vielleicht ist der Tod das letzte Puzzleteil und wir stehen nie vor unserem kompletten, sinnigen Lebenspuzzle und müssen uns fragen, wie es denn nun weitergehen soll.

Vielleicht ist das Puzzle von Anfang an darauf ausgerichtet, dass es nie komplett sein wird. Vielleicht sind wir irgendwann glücklich, dass zwei oder drei Teile fehlen und es nie völlige Perfektion erreichen wird, weil wir es auch nie tun werden. Perfektion ist überirdisch. :}

geklaut von einer wunderbaren Blogschreiberin (:

Keine Kommentare: